Zeit für Restauration: Amiga 2000 Uhrenakku
Konstruktionsfehler bei Konsolen und Heimcomputer gibt es nicht nur seit dem RRoD der XBox360, sondern auch schon bei vielen anderen Geräten aus grauer Vorzeit. Wer sich ernsthaft mit dem Erhalt von Videospielen und Heimcomputern beschäftigt, muss entweder bestimmte Geräte meiden oder sich zutrauen, mal zum Lötkolben zu greifen und das eine oder andere Bauteil zu wechseln.

Gerade gestern abend habe ich mich mit einem solchen Konstruktionsfehler befasst. Der Commodore Amiga 2000 wurde auf dem Mainboard mit einer Akku-gepufferten Echtzeituhr ausgerüstet. Heutige PCs verfügen an der Stelle über eine Lithium-Knopfzelle, die die BIOS Daten mit Strom versorgt und das aus gutem Grund: Die beim Amiga 2000 verbauten Akkus haben die dumme Eigenschaft, nach ca. 10 Jahren den Geist aufzugeben. Leider steht dies meist im Zusammenhang damit, dass der Akku ausläuft. Die auslaufende Flüssigkeit ergießt sich meist auf das Mainboard und führt, wenn man das ganze nicht schnell behandelt, unweigerlich zur Zerstörung der Leiterbahnen und Komponenten auf dem Mainboard. Hier ist also Handwerk angesagt. Beide Amiga 2000, die ich geschenkt bekommen habe, litten unter dem auslaufenden Akku. Folgendes ist zu tun, um den Schaden zu beheben:
Sichtprüfung von Akku und Umgebung – Meist greift die Batterielauge auch den Prozessorsockel des 68000er und die Tastaturbuchse an. Alle Komponenten, die Grünspan angesetzt haben, sollten ersetzt werden.
- Auslöten der betroffenen Teile
(Neben den üblichen Verdächtigen Prozessorsockel und der dicke Kondensator neben dem Tastaturanschluss, litt der erste Amiga 2000 zudem unter geplatzten Kondensatoren vor dem Tastaturanschluss und einer zerfressenen Leiterbahn in Richtung der Zorro-Slots) - Neutralisierung der Batterielauge mit geeigneter Säure (z.B. Essig)
- Reinigung der Stellen mit Alkohol (vorzugsweise Isopropylalkohol)
- Entfernen des Lötlacks mit einem Glasfaserstift
- Prüfen der Leiterbahnen und VIAs (Lötpunkte) auf Beschädigungen und Reparatur
- Beschichten der offengelegten Kupferbahnen mit Lötlack, um Korrosion zu vermeiden
- Einbau der Komponenten und des neuen Akkus
Der erste Amiga 2000 läuft nun wieder wie eine Eins und der zweite befindet sich auf dem Wege der Besserung. Es ist empfehlenswert, auf den Einbau eines baugleichen Akkus zu verzichten, wenn man das gleiche Problem nicht wieder provozieren möchte. Ausweichmöglichkeiten bieten handelsübliche Micro- oder Mignonakkus, die im Verbund und an eine weniger gefährliche Stelle gelegt, weniger Schaden beim Auslaufen anrichten können. Eleganter ist die Lösung mit einer Lithiumbatterie und vorgeschalteter Sperrdiode.
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