Hardware-Review: Foxconn R10-D2 | Green-IT Barebone PC im Mini-ITX-Format
Für Desktop-Mini-PCs gibt es vielfältige Einsatzmöglichkeiten: Als HTPC im Heimkino eingesetzt, liefert der Kleinst-PC Filme und Musik an das Heimkino oder spielt DVDs ab. Als Office-PC hilft der Mini-PC Platz auf dem Schreibtisch zu sparen und sorgt für kleine Anschaffungskosten und eine niedrige Stromrechnung. Zum Spielen mögen die modernen Stromsparzwerge auf den ersten Blick nicht wirklich geeignet sein, dennoch reicht die Rechenleistung durchaus für das eine oder andere grafisch nicht so anspruchsvolle Spielchen, aber in jedem Falle für die Emulation von alten Computern beziehungsweise Konsolen absolut aus. Gut, dass Foxconn mit der aktuellen Barebonereihe R10, R20, R30 und R40 für genau diese äußerst sparsame Konkurrenz zu den überall aufkeimenden Nettops liefert. Im Gegensatz zu den beliebten Nettops, liefern diese auf Intels Atom-Basis basierenden Kleinst-Computer gerade genug Platz für ein DVD-Laufwerk, eine Festplatte und einen 3,5 Zoll Cardreader. Wir haben uns für unseren Testbericht einmal das aktuelle Modell R10-D2 angesehen, das das R10-S2 mit der neuen Pineview-Architektur ablösen soll.
Das Foxconn R10-D2 besteht aus einem Mini-ITX Gehäuse, einem Mainboard auf Atom D510 Basis mit dem neuen stromsparenden Intel NM1o Chipsatz und einem 150 Watt Netzteil. Zusätzlich zum Barebone findet man in der Verpackung nicht nur die passende Treiber-CD, sondern auch eine wirklich gelungene Aufbauanleitung, die es mit vielen Bildern auch blutigen Anfängern ermöglicht, die noch benötigten Teile, wie Speicher, Festplatte und DVD-Brenner, einzubauen und einen Satz Schrauben, die für alle erdenklichen Erweiterungen am Barebone ausreichen. Der Zusammenbau der Komponenten ist nicht ganz intuitiv, da der mangelnde Platz im Gehäuse eine clevere Innenraumgestaltung erfordert, der durch den Laufwerkskäfig realisiert wurde. Gut, dass die hervorragende Anleitung hier weiterhilft: Nachdem man die Seitenplatte entfernt hat, blickt man direkt auf das winzige Mainboard und bemerkt, dass Foxconn bereits die erforderlichen zwei SATA-Kabel mitliefert. Diese besitzen bereits die für den Anschluss von Festplatte und DVD-Laufwerk erforderliche Länge – so wird bereits vermieden, dass es im begrenzten Innenraum zu einem Kabelsalat kommen kann.
Den Käfig, der ein 5,25 und ein 3,5 Zoll Laufwerk aufnehmen kann, wird über zwei Schrauben im Gehäuse gehalten, die sich hinter der Frontblende verstecken. Diese kann einfach durch das anheben von kleinen Klemmen nach vorne abgenommen werden. Hier muss man etwas aufpassen, da die Frontblende natürlich über eine Verkabelung der LEDs und der beiden Taster für Reset und zum Einschalten verfügt. Hat man die Frontverkleidung entfernt und die beiden Halteschrauben des Laufwerkskäfigs gelöst, kann man diesen problemlos entfernen und dort das DVD-Laufwerk einsetzten. Die Festplatte hat ihren Platz unterhalb des Käfigs am Boden des Gehäuses. Hier ist ein 3,5 Zoll-Laufwerk vorgesehen, man kann allerdings auch eine 2,5 Zoll Variante verbauen, soweit man über entsprechende Winkel verfügt, die den Leerstand überbrücken. Der DDR2-Speicher im Standardformat kommt, wie auch bei allen anderen Mainboard in die entsprechenden Aufnahmen. Hier kann man das R10-D2 mit zwei Riegeln bestücken, die im Dual-Channel-Betrieb laufen. Hat man alle erforderlichen Teile ergänzt, kann man den Barebone wieder zusammenschrauben und in Betrieb nehmen. Der komplette Vorgang geht so gut von der Hand, dass das System schon nach wenigen Minuten einsatzbereit ist.
Green IT lässt Grüßen
Wer Wert auf einen besonders stromsparenden Rechner legt, wird mit dem R10-D2 viel Spaß haben. Zwar verbraucht der Desktop durch die neue Intel Architektur mit dem in den Prozessor verlegten Speichercontroller und der ebenfalls in der CPU integrierten Grafikeinheit bereits von Haus aus besonders wenig Strom, dennoch kann man mit der richtigen Auswahl der Komponenten noch einiges raus holen. Während wir beim Aufbau des Testsystems anfangs nur die Komponenten verbaut haben, die sich bereits in der Schublade angesammelt hatten, konnten wir beim zweiten Versuch noch einiges an Stromsparpotential herausholen. Die Grundkonfiguration mit sehr kostengünstigen Komponenten wie NoName-Speicher, einer 80GB Samsung Festplatte und einem SATA LG DVD-Brenner, brachten das System auf knapp 32 Watt im Betrieb. Rechnet man diesen wert auf das Jahr hoch, wobei man von 24 Stunden-Betrieb ausgeht, kommt man auf einen Preis von unter 50 € im Jahr. Das macht dieses kleine Sparwunder zu einem idealen Heimserver. Bringt man den Sparwahn auf die Palme und verwendet besonders stromsparende Komponenten, wie eine Solid-State-Disk und besonders genügsamen Arbeitsspeicher und DVD-Laufwerk, so kann man den Stromverbrauch auch auf unter 30 Watt drücken. Leider sind die entsprechenden Komponenten etwas teurer, so dass sich die investierten Mehrkosten nicht mehr innerhalb der Lebensdauer eines solchen Gerätes durch den gesparten Strom rentieren.
Wer diesen Zwerg nicht als Heimserver einsetzen möchte, sondern ganz im Sinne der Green-IT, den Desktop als Arbeitsplatz-PC einsetzen mag, wird von der Leistung des Kleinen erstaunt sein. Zwar ist und bleibt es eine Atom-Plattform, die an die Leistungsfähigkeit der derzeit marktüblichen PC nicht heran reicht, dennoch lässt sich der R10-D2 problemlos zum Surfen, für Office-Arbeiten oder auch zur Bildbearbeitung einsetzen. Dabei verhält sich der R10 gar nicht so, wie man das von einem solchen Rechner erwarten würde. Internetseiten bauen sich genauso schnell auf, wie man das von anderen Rechnern gewohnt ist. Flash-Anwendungen sind durchaus möglich und auch angemessen schnell. Wer den R10 mit Photoshop quälen möchte, sollte vielleicht überlegen, doch auf eine SSD zu setzen, da der Geschwindigkeitsgewinn durch die neue Plattentechnik durchaus nützlich sein können. Office 2007 verkraftete der Kleine genauso, wie Suns Open Office, ohne zu murren – E-Mails, Präsentationen, Videobearbeitung (zumindest mit nicht-HD Inhalten) – alles kein Problem. Einzig die Wiedergabe von BluRay-Material verweigerte die Software mit dem Hinweis auf den Grafiktreiber, der dazu nicht geeignet ist. Setzt man zusätzlich zum Foxconn R10-D2 ein stromsparendes 17” TFT-Display bei halber Helligkeit ein, bewegt sich der Gesamtstromverbrauch im Bereich um die 50 Watt. Das entspricht etwa 27 g CO² in der Stunde – zum Vergleich, ein VW Golf neuester Bauart produziert etwa 180 g pro Kilometer. So kann man guten Gewissens auch im Büro der Umwelt helfen und eigentlich müsste Foxconn das Gehäuse des R10 in umweltverträglichem Grün produzieren.
Das R10-D2 als Mediacenter
Wer den R10-D2 als Mediaplayer im heimischen Wohnzimmerkino einsetzen möchte, freut sich zwar über den schlanken Formfaktor und die nahtlose Integration der schwarzen Klavierlack-Front in die restlichen Geräte, wird aber vermutlich den fehlenden HDMI-Anschluss und die fehlende Hardwareunterstützung zum dekodieren von HD-Material vermissen. Wer den Winzling allerdings über den VGA-Anschluss an seinen Fernseher anschließen kann, bekommt einen soliden Media-PC, der von Musikwiedergabe über DVD-Wiedergabe bis hin zu Filmen im xVid- oder DivX-Format keine Probleme macht. Wer auf Youtube und co. setzt, wird bis zu einer Auflösung von 720p flüssige Bilder bekommen – bei 1080p Inhalten fängt das Ganze mit dem OnBoard-Chip aber arg an zu ruckeln. Wer noch ein wenig mehr vertragen kann und nicht so auf den Stromverbrauch achten muss, kann über den vorhandenen Low-Profile-PCI-Steckplatz noch eine DVB-T-Karte oder gar eine Grafikkarte nachrüsten. Was das Nachrüsten einer PCI-Grafikkarte angeht, kann man auf die betagten Modelle GeForce FX5200 oder 6200 LE verzichten. Richtig interessant wird es im MediaPC-Bereich bei einer Radeon HD4350 oder einer Geforce 9500GT, denn dann ist auch die BluRay-Wiedergabe kein Problem mehr. Man muss nur darauf achten, dass die Karte nicht mehr als 18mm Bautiefe besitzt, da sonst der Netzteillüfter in die Quere kommt. Erwähnenswert ist zudem, dass sich auf dem Mainboard bereits ein IR-Anschluss befindet, der es Kinderleicht macht, das System mit einer Fernbedienung nach zurüsten.
Gaming und Emulation
Im Spielesektor gilt so ziemlich das gleiche, wie für den Media-PC auch. Etwas ältere Spiele schafft der D510 Atom Prozessor spielend und taugt sogar zum Spielen von Civilization 4 oder Command & Conquer 3, aber das sind auch schon die Ausnahmen. Wer gerne ein aktuelleres Spiel oder gar ein modernes MMORPG, wie World of Warcraft, im Wohnzimmer genießen möchte, sollte sich das Upgrade mit einer PCI-Grafikkarte durch den Kopf gehen lassen. Auf dem Emulationssegment, gibt es allerdings nichts zu meckern. Sämtliche Home-Computer und Konsolen der letzten Jahre lassen sich auf dem kleinen emulieren. Einzig die letzte Generation macht so ihre Schwierigkeiten, denn die Emulation dafür greift auch wieder auf DirectX zurück und der Grafikchip des R10-D2 schafft das nicht ohne die Unterstützung durch eine modernere Grafikkarte. Dennoch zeigt die Emulation vergangener System keine Schwäche und alle Systeme bis zur vor-vorletzten Generation (SNES, Mega Drive, Amiga, ect.) laufen an der Frameratebegrenzung. Emulatoren der Vorletzten Generation (Playstation 1, Nintendo 64, Sega Saturn) laufen entsprechend flüssig und lassen sich problemlos Spielen. Wer einen Playstation-Controller oder etwas ähnliches an einen der USB-Ports anschließt, wird sich über eine perfekte Emulationsplattform für das heimische Wohnzimmer freuen und von C64 über MAME, bis hin zum Amiga 500 oder der Playstation 1 alles genießen können, was der Spielemarkt hergibt.
Zusätzlich zu dem, was der Foxconn R10-D2 alles im Office, Wohnzimmer beziehungsweise Emulations-Bereich leisten kann, ist das System von Foxconn noch mit einigen raffinierten Extras ausgestattet. Abgesehen von dem massiven 8 Megabyte Bios, an dem man die Erfahrung des Mainboardherstellers ablesen kann, liefert Foxconn noch ein Paar unscheinbare kleine Anwendung mit dem Barebone mit, die dem Benutzer zunächst gar nicht auffallen, aber dennoch durchaus beachtenswert sind. Zunächst haben wir da Fox One, ein Programm zur Überwachung der Mainboard-Sensoren und zur Überwachung und Steuerung der Lüfter des Barebones. Erfreulicherweise lässt sich der CPU und der Gehäuselüfter über diese Anwendung relativ einfach zum Schweigen bringen, so dass der R10-D2 nicht mehr so sehr unter dem Schreibtisch lärmt und man keine großen Einstellungen im BIOS machen muss. Zusätzlich lässt sich mit Fox One ein sehr guter Überblick über die Systemwerte, wie Spannung, Temperatur oder Lüfterdrehzahlen gewinnen und man kann eingreifen, bevor dem System etwas passiert. Alarmfunktionen fehlen hier ebenso wenig, wie ein schickes grafisches Design der verschiedenen Anzeigen. Mit einer weiteren Anwendung mit dem passenden Namen Fox Logo, lässt sich mit wenigen Mausklicks das Standard-Bootbild durch ein eigenes ersetzen und flashen. Hierzu braucht man auch kein IT-Studium, denn die Anwendung kommt mit allen gängigen Bildformaten klar und flasht die Grafik zügig zum BIOS dazu. Einzig auf die richtige Auflösung des Bildes und das Entfernen des BIOS-Schreibschutzes vor Gebrauch sollte man hier achten. Gleiches gilt auch für die dritte Anwendung FOX LiveUpdate, die dafür sorgt, dass nicht nur das BIOS auf dem aktuellen Stand ist, sondern auch die Aktualität der anderen Komponenten des Barebones überwacht. So kann man mit nur einem Klick sämtliche Treiber und das BIOS auf den neuesten Stand bringen. Die vierte Anwendung im Bunde ist Fox DMI, mit dem man relativ schnell einen Überblick über die verwendeten Systemkomponenten und den Status der Bauteile gewinnen kann. Zudem befindet sich im Lieferumfang des Barebones auch noch die passenden Füße, die es dem Benutzer erlauben, das System auch Hochkant auf den Schreibtisch zu stellen.
Ausstattung und Benchmarkergebnisse
Wer wert auf etwaige Benchmarkergebnisse setzt, stellt fest, dass das Barebone im Spielebereich etwas schneller ist, als das von uns getestete Netbook jupiter 1014a von Datacask, das auf der Kombination aus Atom N270 und Intel GMA450 setzt. Der 3D-Mark 01 bescheinigte dem System 3200 Punkte. Es ist zwar nicht ganz fair, aber wir haben das Barebone auch durch den 3D-Mark 05 gequält, wo das R10-D2 einen Wert von 353 Punkten erreichte (bei 2204 CPU-Marks). Ein Drittel konnte das Barebone im PCMark 05 zulegen und brachte es auf 2068 Punkte. Im Lastbetrieb stieg die Leistungsaufnahme im Übrigen nur um ein paar Zähler auf etwa 36 Watt. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Barebones von Foxconn nicht nur auf dem neuesten Stand der Technik (Intel Atom D510 plus Pineview-Chipsatz), ausgesprochen Stromsparend (um die 30 Watt oder Weniger mit so gut wie jeder Komponente erreichbar), sondern auch für fast alle Bereiche der PC-Arbeit und für viele Bereiche des Spielens mit nativen Spielen oder gar mit Emulatoren völlig ausreichend ist. Das Beste an diesem System ist allerdings der Preis, denn das Barebone ist bereits für einen Straßenpreis von um die 130 Euro zu bekommen. Wer mitrechnet, stellt fest, dass sich zusammen mit 2GB Speicher, einem DVD-Brenner und einer Festplatte ein passables System von etwas über 200 Euro zusammenstellen lässt, das zudem auch noch langfristig Geld spart, in dem es einfach weniger Strom verbraucht, als alles Andere, was auf dem Markt erhältlich ist. Greift man zu dem Modell der letzten Generation (z.B. R10-S2), kann man sein Stromspar-Emulationswunder bereits für unter 200 Euro in das Wohnzimmer stellen.
Eigene Meinung:
Bereits der Zusammenbau des Foxconn R10-D2 macht richtig Spaß. Auch wenn man als erfahrener PC-Schrauber zunächst einen Blick in die wirklich gelungene Aufbauanleitung machen muss, um die richtige Technik (Abklappen der Frontblende und Suchen der richtigen Schrauben) zu finden, geht der Zusammenbau richtig flüssig von der Hand. Als Technikfreak ist man beinahe beeindruckt mit wie viel Hingabe Foxconn an dem Raumsparkonzept gearbeitet hat und dabei das einfache Handling nicht aus den Augen verloren hat. Hat man erst einmal die erforderlichen Komponenten in das Barebone integriert, kann es auch schon mit der Betriebsystem-Installation losgehen. Hier ist es egal, ob man auf Windows oder Linux setzt – Treiber sind für alle Spielarten vorhanden und sogar der 64Bit-Betrieb mit Windows
XP, Vista oder 7 ist kein Problem. Je nach Einsatzgebiet macht das Barebone eine gute Figur. Einzig das fehlen eines HD-fähigen Chipsatzes schmerzt etwas, aber bei dem unschlagbaren Preis auch nicht allzu sehr. Wer einen Low-Cost Office-PC oder Heimserver sucht, ist hier goldrichtig. Wer zudem noch auf Green-IT oder die eigene Stromrechung schaut, kommt um einen Foxconn R10-D2 nicht vorbei, denn der Stromverbrauch des Kleinen ist wirklich unschlagbar. Für Nutzer, die sich einfach eine All-in-One Konsole ins Wohnzimmer stellen wollen, mit der man verschiedene Emulatoren verwenden kann oder ein paar einfache Spiele älterer Bauart spielen mag, kann hier genauso beherzt zugreifen. Meine derzeitige General-Empfehlung einen Office-PC und eine aktuelle Spielekonsole, anstatt eines Highend-Rechners, der beides kann, zu kaufen, wird nun durch einen Foxconn Barebone und eine aktuelle Spielekonsole ersetzt. Dies spart in der Anschaffung nämlich locker 500 Euro oder mehr, die man bereits in ein paar Spiele für die Konsole investieren könnte. Wer auf Grafikleistung gar nicht verzichten kann, sollte nach einer Variante mit Nvidia ION-Chip suchen. Hier bietet sich der Nettop NT330 von Foxconn an, der zwar auf Atom 330 Basis ist, aber eben einen HD-fähigen Chipsatz mitbringt.
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Mai 26th, 2010 um 19:33
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