Mass Effect 2 | Rollenspiel trifft Shooter die Zweite
Hört man den Namen Bioware, muss man als alter Hase unweigerlich an Rollenspiele vom Schlage eines Baldur’s Gate oder Icewind Dale denken. Diese sehr storylastigen Pralinen des RPG-Lagers haben bereits vor Urzeiten Spieler tagelang an den PC gefesselt. Zwar mag die Grafik der Spiele aus heutiger Sicht etwas sehr angestaubt wirken, dennoch versprühen die Vorväter von Knights of the Old Republic und Dragon Age: Origins genau den selbe Charme und Witz. Spieler, die sich darüber beschweren, dass sie für die knapp 70 Euro, die man im Konsolensektor für ein Spiel ausgeben muss, kaum sechs oder acht Stunden Spielspaß bekommen, lassen sich gerne zu Bioware-Titeln hinreißen, denn meist ist ein durchgespielter Tag und eine Nacht noch nicht genug, um ein Spiel zu beenden, wie das jüngst erschienene Dragon Age: Origins mal wieder bestätigte. Gut, dass mit Mass Effect 2 rechtzeitig Nachschub für die glücklichen Besitzer einer XBox 360 oder eines aktuellen Spiele-PCs in die Regale der Händler gekommen ist. Ob das Spiel allerdings anschaffenswert ist und ob auch Spieler, die den ersten Teil der Serie verpasst haben hier zugreifen können, könnt Ihr wie immer in unserem Testbericht erfahren.
Wer will nochmal, wer hat noch nicht?
Die zweite Frage lässt sich relativ schnell beantworten: Ja, klar. Für Mass Effect 2 braucht man keineswegs den ersten Teil gespielt zu haben. Wer bereits mit Shepard auf Galaxistour war, bekommt allerdings eine kleine Belohnung, denn man kann seinen alten Spielstand in den Nachfolger importieren, kommt so um die Charaktergenerierung herum und importiert gleichzeitig ein paar Entscheidungen aus dem ersten Teil, die kleinere Auswirkungen auf den Nachfolger zeigen werden, wenn die Story voranschreitet. Apropos Story; wer den ersten Teil versäumt hat wird etwas brauchen, bis er wieder auf dem Laufenden ist. Nach dem Ende des ersten Teils von Mass Effect, ist Shepard und seine Crew für die Rettung der bekannten Galaxie berühmt und immer noch an Bord des Raumkreuzers Normandy unterwegs, um die Ordnung in der Alianz aufrecht zu erhalten. Nachdem der Spieler sein Alterego mit Hilfe eines Charaktergenerators geschaffen hat, geht es auch schon los. Die Normandy springt in ein System, um ungewöhnlichen Anzeigen nachzugehen und wird von einer unbekannten Macht angegriffen. Zum Erstaunen des Spielers wird das wirklich schöne Schiff völlig von den Feinden vernichtet. Mit einem selbstlosen Manöver rettet der Spieler den Steuermann, bevor Shepard in den Luftleeren Raum entgleitet und stirbt. Was? Der Held stirbt in den ersten fünf Minuten des Spiels?
Ja, aber man befindet sich nicht umsonst in der Zukunft. Zwei Jahre nach der Vernichtung der Normandy macht sich eine neue Bedrohung für die die Galaxis breit und eine private Firma namens Cerberus unter der Führung des Unbekannten schickt sich an, viele Geldeinheiten darauf zu verwenden, den Helden der Galaxis aus ein paar noch lebenden Zellen, wieder herzustellen, damit der Spieler quasi als Weltraum-Lazarus den Kampf gegen die Invasoren wieder aufnehmen kann. Zwei Jahre sind vergangen und Shepard hat so seine Probleme auf den neuesten Stand zu kommen. Gut, dass er vom Unbekannten etwas Hilfe zur Seite gestellt bekommt. Zunächst ist allerdings ein kleines Trainig angesagt. Hier zeigt sich schnell der große Unterschied zwischen Mass Effect und anderen Bioware-RPGs, denn Mass Effect spielt sich mehr wie ein Shooter vom Schlage eines Gears of War, als ein klassisches Rollenspiel. Natürlich gibt es auch Erfahrungspunkte zu verteilen und Techskills oder biotische Fähigkeiten zu erlernen, die wie futuristische Magie wirken, aber der Hauptaugenmerk ruht tätsächlich auf Duck-And-Cover Schießereien. Mit einem Knopfdruck hechtet Shepard in Deckung, während die zwei mitgeführten Teammitgleider durch eine recht klevere KI etwa das Gleiche versuchen. Von der Deckung aus kann man dann eine der vielen verschiedenen Waffen im Spiel auf heranlaufende Gegner abfeuern. So weit am Anfang ist dies natürlich zunächst nur eine Pistole, die dennoch auf den Kopf des Gegners gerichtet bedeutend mehr Schaden anrichtet, als am Körper der Gegner. Schnell ein Paar Droiden weggepustet und man bekommt das erste Briefing und den Schlüssel zu den Ereignissen der letzten zwei Jahre.
Akte X + Aliens + Star Wars = Mass Effect 2
Die Kolonien der Alianz verschwinden nach und nach. Dahinter sollen laut des Unbekannten, der etwas Ähnlichkeit mit dem Raucher aus Akte X hat, die Kollektoren stecken. Diese landen auf den Planeten und sammeln dort sämtliche Menschen ein, um gleich darauf wieder zu verschwinden. Zurück bleibt nur ein leerer Planet, ohne Leben. Wie beginnt man nun eine Mission wie diese? Klar, man braucht ein Team aus Spezialisten und muss sich an die Fersen der Kollektoren heften. Zunächst gilt es allerdings, auf einem bereits überfallenen Planeten nach Spuren zu suchen. Shepard macht sich sogleich mit den ersten Teammitgliedern Miranda, einer Wissenschaftlerin, und dem Soldaten Jacob Taylor, auf den Weg die Kolonie nach Spuren zu untersuchen. Was sich dem Spieler hier darbietet, könnte auch aus einem Alienfilm stammen. In der völlig verlassenen Kolonie fliegt nur Staub durch die Luft und es herrscht eine sehr beklemmende Atmosphäre, die dem Spieler vermittelt, dass hier etwas nicht stimmt. Dies bestätigt sich durch den ersten Angriff der Droiden der Station, die anscheinend von den Kollektoren umprogrammiert worden sind, alles anzugreifen, was sich bewegt. Nachdem man sich nun durch die Roboterhorden des Sicherheitssystems der Kolonie gekämpft hat, trifft man in einem versiegelten Lager auf einen Überlebenden. Dieser Außerirdische leitet den Spieler dann in die Welt von Mass Effect über, in der wirklich glaubhafte außerirdische Rassen ersonnen wurden, die nicht nur alle ihre eigene Einstellung zum Leben und eine eigene Kultur haben, sondern sogleich auch einen Oscar, für die besten Außerirdischen, gewinnen würden, wenn Mass Effect 2 ein Kinofilm wäre. Der Überlebende berichtet nun von Insektenschwärmen, die die Menschen der Kolonie durch einfrieren darauf vorbereitet haben, von den Kollektoren eingesammelt zu werden. Nach dem Gespräch begegnet Shepard zum ersten Mal einem ehemaligen Mitglied der Normandy-Crew, doch es stellt sich relativ schnell heraus, dass diese bereits andere Aufgaben angenommen hat und Shepard nicht bei der Suche nach den Kollektoren helfen kann. Mit diesen Informationen in Petto begibt man sich zurück zu Cerberus und erhält die nächsten Anweisungen.
Aber nicht nur das, sondern in einer imposanten Filmsequenz, die auch von Startrek-Produzenten nicht besser in Szene gesetzt worden wäre, bekommt der Spieler sein neues Raumschiff zu Gesicht. Natürlich Stand der Technik, denn der Spieler bekommt einen Nachbau der originalen Normandy zur eigenen Verfügung – samt Pilot, denn die Normandy SR2 wird von keinem Geringeren gesteuert, als von Jeff “Joker” Moreau, dem Piloten, den man im Vorspann gerade noch das Leben gerettet hat. Ab hier öffnet sich das Spiel und man kann seinen weiteren Weg frei wählen. Zunächst sollte man allerdings ein Team zusammenstellen, das die Mission letztlich wuppen kann. So macht sich der Spieler auf den Weg zu verschiedenen Planeten und löst dort Aufgaben und tut den potenziellen Crewmitgliedern einen Gefallen, damit diese sich der Mannschaft der Normandy anschließen. Hat man ein paar Crewmitglieder rekrutiert, geht es an die nächste Story-Mission, die wieder in weiteren Rekrutierungsmissionen mündet. Wer sich hier stramm an das nötigste hält, wird dennoch etwa 30 Stunden brauchen, um das Spiel bis zum Ende zu bringen. Wer sämtliche optionale Missionen und Sidequests erfüllt, wird einiges mehr an Zeit investieren müssen. Glücklicherweise kann man ja speichern.
Abseits des Üblichen, gibt es auch ein paar Änderungen zum ersten Teil, die man hier durchaus noch erwähnen sollte. Der Buggy, der an Bord der Normandy für Ausflüge auf Planeten gesorgt hat, ist verschwunden und wird nicht mehr gebraucht. Rohstoffe werden den Planeten über ein kleines Minispiel aus dem Orbit entzogen. Zudem kann die Normandy SR2 nicht mehr auf Planeten landen, was die Nutzung eines Shuttles unabdingbar macht. Wer Ausrüstungsschlachten wie in Diablo oder anderen Rollenspielen erwartet, wird von Mass Effect enttäuscht werden. Wer im Spiel eine neue Waffe findet, kann diese erst nach der Erforschung an Bord der Normandy in das eigene Arsenal aufnehmen und benötigt dazu zu dem besagte Rohstoffe, die erst von verschiedenen Planeten abgebaut werden müssen. Zudem wird ein großer Anteil Rohstoffe für Veränderungen an der Normandy benötigt, die notwendig sind, um das Ende des Spiels zu erreichen.
Eigene Meinung:
Mass Effect 2 ist eine gelungene Fortsetzung mit viel Story und Spannung. Nicht nur, dass der Haupthandlungsstrang besonders spannend und aufwendig erzählt wird, nein, Bioware hat sich wieder einmal die Mühe gemacht und die Hintergrundgeschichte eines jeden Charakters bis ins Kleinste ausgetüftelt. Diese wird durch Ingame-Missionen, die sich ausschließlich mit dem einen Charakter beschäftigen und durch Gespräche mit Shepard sogar noch vertieft. Es scheint so, als würden die Story und die Charaktere noch für zwei weitere Spiele und einen Kinofilm reichen. Wer lange Spiele schätzt und bislang nicht gewagt hat, zu einem Rollenspiel zu greifen, weil er lieber mit einer Pistole den Gegner kalt stellt, sollte sich Mass Effect unbedingt mal anschauen. Einen Tropfen Wermuth gibt es allerdings nocht, denn bislang kommen nur Besitzer einer XBox 360 und eines PCs in den Genuß dieses Rollenspielepos. Dennoch sollte man es sich überlegen, ob man nicht vielleicht in die Tasche schaut und vielleicht 120 Euro für eine neue Grafikkarte oder gar 200 Euro für eine XBox 360 investieren kann, denn dieses Spiel fesselt ungemein und versteht es den Spieler durch eine gekonnte Mischung aus Action, Geschichte und einen Hauch RPG an den Bildschirm zu fesseln. Naja, Bioware ist ja bereits seit Baldur’s Gate dafür bekannt, gute Storys zu liefern. Fazit: Absolute Kaufempfehlung.
Ähnliche Artikel:


