PS3-Review: Call of Duty: Modern Warfare 2 | Großes Kino mit moralischen Bedenken
Das mit den Call of Duty Teilen ist so ein Ding… Nachdem die Entwickler nun alle Aspekte der WWII Kampagnen von vorne bis hinten beleuchtet hatten, hatte man sich überlegt, dass es an der Zeit ist, auch der modernen Kriegsführung ein paar Spiele zu widmen. Gut, dass die derzeitige Weltsituation jede Menge Stoff für ein Computerspiel bietet. Ein Terrorszenario, das den Spieler in Gestalt der Top-Anti-Terror-Einheiten der Welt über den Globus schickt, gepaart mit einem wirklich gut gemachten Mehrspielermodus, zeichnet den vierten Teil der Serie aus. Mit Call of Duty: Modern Warfare hatte Publisher Activision einen Welthit gelandet. Zwar gab es ein paar Spieler, die vereinzelte Szenen des nicht ganz unblutigen Titels, befremdlich fanden, dennoch sprach der Erfolg des Spiels für sich. Auch mit Call of Duty: Modern Warfare 2 versucht Entwickler Infinity Ward an den Erfolg des Vorgängers anzuschließen. Bereits im Vorfeld wurde bekannt, dass ähnlich der Atombomben-Szene aus dem Vorgänger, eine weitere Szene im Spiel vorhanden sein sollte, die gewaltige moralische Bedenken in verschiedenen Menschen hervorrufen sollten. Ob Call of Duty: Modern Warfare 2 die Versprechen, besser als der Vorgänger zu sein, halten kann und ob die deutsche Version so heftig geschnitten wurde, wie es die Flughafenszene vermuten ließ, erfahrt Ihr wie immer in unserem Testbericht.
Nachdem man das Spiel installiert hat, findet man sich im Hauptmenü wieder. Hier fällt gleich positiv auf, dass die Ladezeiten vom Einlegen der BluRay bis zum Spielstart, zumindest bei der PS3-Version erfreulich kurz halten. Kaum im Hauptmenü angekommen, kann man sogleich mit der Entscheidung beginnen, was man eigentlich spielen möchte. Einerseits gibt es da den Singleplayer-Modus, der alleine für um die acht bis zehn Stunden Content für den Spieler bietet, der storytechnisch direkt an den Vorgänger anknüpft. Zudem kann man noch ein paar Koop-Missionen zu zweit an einer Konsole oder via LAN beziehungsweise Internet absolvieren. Diese liefern noch einmal gut acht bis zehn Stunden Spielspaß für zwei Spieler. Wer dann noch immer nicht genug hat, kann sich in den bereits seit dem Vorgänger bewährten Online-Modus stürzen, der den Wiederspielwert noch einmal deutlich erhöht. Man bekommt bei Call of Duty: Modern Warfare also massig Action für’s Geld geboten.
Singleplayer – Scripting par excellence
Wer sich für den Einzelspieler-Modus entscheidet, wird zunächst in einer kurzen Einführungssequenz über die Geschenisse des ersten Teils aufgeklärt und in die Story von Modern Warfare 2 eingeführt. Die Story ist genretypisch recht schnell geklärt. Da der Bösewicht des letzten Teils in einem furiosen Showdown das Zeitliche gesegnet hat, bedroht in diesem ein anderer Übeltäter, der quasi die Stellung des Vorgängers übernommen hat, die Ordnung in der Welt. Gut, dass sich aus den Konsequenzen des letzten Teils eine Anti-Terror-Spezialeinheit gebildet hat, die nun versucht den Schrecken des Terror in der Welt zu bekämpfen. Neu an Teil zwei ist es, dass der Terror in der Welt viel aggressiver ist und sich nicht davor scheut, auch nach Amerika einzufallen. Das Spiel stellt sich im Verlaufe der Story die Frage: “Wie würde ein handfester Krieg auf Amerikanischem Boden aussehen?” – Dazu aber später mehr. Bis es allerdings soweit ist, werdet ihr in Call of Duty: Modern Warfare 2 auf eine regelrechte Weltreise geschickt. Die beginnt in der Grube, einer Ausbildungsstätte für junge Rekruten, in der man die genreüblichen Tutorialübungen vollzieht, die nicht nur die Steuerung einstellen, sondern auch mit dem Waffenarsenal bekannt machen. Zunächst gilt es allerdings, einen Hindernisparcours zu durchlaufen und ein paar Zielscheiben das Leben auszuhauchen. Je nachdem, wie schnell und wie treffsicher man durch den Parcours kommt, wird der Ausbilder nach dem Training einen Schwierigkeitsgrad für das folgende Spiel vorschlagen, der den eigenen Leistungen am ehesten nahe kommt. Es liegt dann am Spieler, ob man den Vorschlag annehmen möchte oder ob man noch einmal sein Glück auf der Trainingsbahn mit einer anderen Waffe probieren möchte.
Anschließend beginnt die Story ihren Lauf zu nehmen und man reist von Mission zu Mission durch sämtliche Teile der Welt, um dem Terror Einhalt zu gebieten. Wie bei Call of Duty üblich, spielt man nicht nur einen Protagonisten, sondern wechselt zwischen verschiedenen Handlungssträngen hin und her, bis diese sich an einer Stelle im Spiel vereinigen und zum großen Finale führen. Von Afghanistan führt euch der Trip durch Elendsviertel in Brasilien, in das verschneite Russland und sogar an die Ostküste der USA. Auch den Weltraum bekommt ihr in einem Abschnitt zu Gesicht – auch wenn der Trip ins All besonders kurz ist und eigentlich nur die Story vorantreiben soll. Zwischen den Missionen selbst erwarten euch keine richtigen Zwischensequenzen, stattdessen erfahrt ihr die Details zu eurer Mission aus Gesprächen, die über einer virtuellen Karte eingespielt werden. Man fühlt sich ein wenig, als würde man den Generälen und den Kommunikationsoffizieren im Hauptquatier über die Schulter schauen, da viele Google-Earth ähnliche Karten oder Waffen mit ihren technischen Daten auf die nächste Mission vorbereiten. Sobald das Spiel anschließend in die tatsächliche Spielumgebung wechselt. Nicht sehr atmosphärisch, aber es erfüllt seinen Zweck. Dafür sind die Sequenzen während des Spieles durchaus filmähnlich inszeniert, beispielsweise wenn man in Russland mit einem Scharfschützengewehr eine Festung mit einem Helikopter anfliegt.
Waffen, Waffen und nochmal Waffen
Zwar erwartet den Spieler auch in Call of Duty: Modern Warfare 2 nichts, was man nicht auch aus anderen Ego-Shootern oder auch dem Vorgänger schon kennt, dennoch wird es von hier auf eine Art und Weise präsentiert, die seinesgleichen sucht. Ständig passieren um den Spieler herum irgendwelche Dinge: Hubschrauber krachen neben dem Trupp zu Boden, Gebäude stürzen unter Beschuss ein, Dreck rieselt von der Decke nach einem Bombentreffer, und so weiter und so fort. Das Spiel lässt den Spieler in keinem Moment kurz verweilen, sodern treibt ihn mit diesen gescripteten Sequenzen geradezu durch das Spiel. Meist hetzt man so durch die Level, selten alleine unterwegs, und nimmt den Gegner mit vielen verschiedenen Waffen aufs Korn. Sollte einmal die Munition ausgehen, schnappt man sich einfach eine der vielen Waffen, die einer der Widersacher fallengelassen hat. Die Intelligenz der Widersacher ist allerdings nicht besonders hoch, durch ihre Masse sind sie jedoch immer eine Gefahr, mit der man rechnen muss. Gerade, wenn man eines der Skriptereignisse auslöst und die Feinde einem in die Flanke oder den Rücken fallen, beißt man mitunter recht schnell mal ins Gras. Im nächsten Anlauf weiß man dann allerdings, wann und wo angegriffen wird und schafft die Sequenzen in der Regel beim zweiten Versuch. Ruhige Momente kommen eher selten vor und wenn, dann in einer der Schleichmission, die gelegentlich die Action ablösen und den Spielfluss etwas verlangsamen. Was bei den meisten Spielen eher als störend empfunden wird, ist hier allerdings durchaus erwünscht und gelgentlich hofft man geradezu darauf, dass die nächste Mission etwas langsamer abläuft. Action wechselt mit Schleichen – Laufen wechselt mit dem Fahren von Fahrzeugen. Die Fahrzeuge, die man im Verlaufe des Spiels steuern kann, sind recht verschieden. Während man in einigen Missionen ein Fahrzeug (ein Jetski und ein Schlauchboot) direkt steuern kann, kann man in anderen Missionen diese nur über einen zu findenden Laptop (Predatordrohne) steuern oder mit Hilfe des Lasers am eigenen Gewehr Ziele markieren, die das folgende Fahrzeug, hier ein Schützenpanzer, gleich unter Feuer nimmt. Ansonsten gibt es recht wenig Neues: in Modern Warfare 2. Zwar gibt es noch einige Verbesserungen an den Waffen und jede Menge neue Modelle (inklusive Akimbo Pistolen und UZIs) und seit dem aktuellen Titel kann sich der Spieler auch mit einem kugelsicheren Krawallschild bewaffnen, allerdings hören hier auch bereits die Verbesserungen auf. Letztlich sollte man allerdings auch nicht zu viel an einem Spiel herumschrauben, das nicht kapputt ist. Nach etwa fünf bis sieben Stunden Spielzeit, je nach Spielweise, hat man die Kampagne dann aber auch relativ zügig durchgespielt. Gut, dass Modern Warfare 2 eigentlich drei Spiele in einem ist.
KoOp – Zusammen schleichen oder die Tür eintreten
Damit Call of Duty: Modern Warfare 2 nicht nach der Kampagne im Regal verstaubt, haben die Entwickler neben dem klassischen Multiplayer-, einen KoOp-Modus für zwei Spieler in das Spiel eingebaut. Das man die Singleplayer-Kampagne nicht im KoOp spielen kann, ist angesichts der Fülle an KoOp-Missionen, die der SpecOps-Modus bietet, wirklich zu vernachlässigen. Erfreulicherweise kann man im SpecOps-Modus Online, via LAN und zu zweit an einer Konsole im Splitscreen antreten. Die kleinen Missionen, die es in jeweils drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden gibt und teilweise sogar in der Länge variieren, sind wirklich spannend. Während einige der Szenarien an den Singleplayermodus angelehnt sind, kommen andere Missionen direkt aus dem Vorgänger und ermöglichen es die Missionen von Modern Warfare aus einem neuen Blickwinkel zu Spielen. Beispielsweise kehrt die vielgelobte Mission zurück, in der man den Schützen einer A130 spielt und einem Kollegen am Boden Deckung gibt. KoOp wird aus der Mission dadurch, dass ein Spieler den Schützen im Flugzeug übernimmt und der andere am Boden versucht ein Ziel zu erreichen, während man Deckung von oben erhält. Neben actionreichen Missionen, die in Mexico stattfinden und besagter A130 Mission, findet man allerdings auch eine Kopie der Grube, die man zu zweit absolvieren kann und einige sehr schöne Schleich und Scharfschützenmissionen, die geradezu nach einem zweiten Spieler schreien.
Online – nochmal einen draufgesetzt
Das Herz von Call of Duty: Modern Warfare ist aber sicherlich der Multiplayer-Modus, daran wird auch beim zweiten Teil nicht gerüttelt. Bedenkt man, dass es immer noch reichlich Leute gibt, die zwei Jahre nach dem Release des Spiels, sich die virtuellen Kugeln um die Ohren schlagen, kann man getrost sagen, dass man am Multiplayer von Modern Warfare eigentlich nichts mehr ändern muss. Dennoch hat Infinity Ward versucht, mit kleinen Änderungen den Multiplayer noch weiter zu verbessern. Darum hat man auch vollig untypisch mit der Entwicklung von Singleplayer-, KoOp- und Multiplayer-Modus parallel angefangen. Und wenn so viel Energie in einen Titel hineingesteckt wird, muss das Ergebnis doch überzeugen, oder? Tatsächlich hat es der Multiplayer wirklich in sich: In vielen verschiedenen, allerdings genretypischen Modi darf man sich online mit anderen Spielern messen. Hier vermisst man wirklich nichts: es gibt alles was das Spielerherz begehrt: Deathmatch, Capture The Flag, Defend The Base und ähnliche Modi, die teilweise alleine oder im Team gespielt werden.
Gerade das Ranking-System, das Modern Warfare mit dem letzten Teil eingeführt hat, verleiht dem Online-Modus ein gewisses Suchtpotential. Durch Abschüsse sammelt man Erfahrung, durch die man nach einer vorgegebenen Tabelle nach und nach im Level aufsteigt. Je nach Erfahrungsstufe, kann man verschiedene weitere Fähigkeiten freischalten, die einem das Kämpfen ungemein erleichtern. Damit das Ganze aber nicht zu unfair wird, darf man allerdings nur drei dieser Fähigkeiten gleichzeitig mit in ein Match nehmen. Vor dem Match muss man allerdings zunächst die eigene Klasse auswählen. Je nach gewählter Klasse ist man jeweils etwas anders ausgestattet. Mit entsprechendem Level kann man zudem auch eigene Klassen mit individueller Ausrüstungskonfiguration anlegen. Dies umfasst nicht nur die Wahl der Waffen, sondern auch eben erwähnte Fähigkeiten, die sogenannten “Perks”. Viele dieser Fähigkeiten könnte man am ehesten mit den Buffs aus World of Warcraft vergleichen, nur dass sie eben dauerhauft wirken. So gibt es unendlich Sprint, schnelleres Nachladen, verbesserte Präzision und einiges mehr, das man mit in den Kampf nehmen kann. Später kann man zusätzlich noch bis zu drei weitere Fähigkeiten auswählen, die man als sogenannte Abschußserien-Boni mit in den Kampf nimmt. Hat man die für den entsprechenden Bonus erforderliche Anzahl an Abschüssen hintereinander geschafft, wird die entsprechende Fähigkeit aktiviert. Beispielsweise kann man plötzlich auf eine Predatorkampfdrohne zugreifen. So kann man dann sein Team aus der Luft unterstützen, bis man schließlich das Pixelleben aushaucht. Zudem gibt es noch ein paar Challenges, die dem Spieler zusätzliche Ausrüstung beschehrt. Hat man eine Waffenchallenge, wie das Töten von 200 Gegnern mit einer Waffe, erfüllt schaltet man so nach und nach die begehrten Zieloptiken oder gar den Herzschlagsensor frei, die man fortan an die Waffen pappen darf. Gerade dieser Suchtfaktor und die Aussicht auf jede Menge Download-Content für Modern Warfare 2 alleine machen das Spiel schon zu einem nicht geheimen Geheimtipp mit Spiel des Jahres Potential.
Eigene Meinung:
Mit Call of Duty: Modern Warfare 2 bekommt man sicherlich keine bahnbrechenden Neuerungen vorgeführt, dennoch macht es irrsinnig viel Spaß. Wer den Vorgänger gespielt hat, wird hier genau das bekommen, was er danach erwartet. Zusätzlich erhält man zudem einen wirklich guten KoOp-Modus und einen noch ein wenig verbesserten Multiplayermodus, der einige Überraschungen für routinierte Spieler parat hält. Frei nach dem Motto: “Leicht zu erlernen, aber schwierig zu meistern” bekommt man mit dem Onlinemodus eine Spielzeiterweiterung, die die knappen sechs Stunden für den Story-Modus locker wieder aufwiegt und wett macht. Durch das Action-Feuerwerk, das in der Solokampagne abgefackelt wird, kommen allerdings auch Einzelspieler auf ihre Kosten, die mit dem Online-Spielen nichts am Hut haben. Die grafische Darstellung von Call of Duty: Modern Warfare 2 ist durchaus gelungen, auch wenn Infinity Ward nicht groß an der doch etwas betagten Grafik-Engine des ersten Teils herumgeschraubt hat. Zwar kann die visuelle Präsentation nicht mit Grafikschmankerl alla Uncharted 2 oder Killzone 2 mithalten, dennoch erfüllt sie ihren Zweck und fällt nicht negativ ins Auge. Die Sounds und die Synchronisation passt und klingt so wie man es erwarten würde. Ähnlich, wie bei Operation Flashpoint: Dragon Rising empfiehlt es sich allerdings, die Spache auf Englisch umzustellen, soweit man dieser Sprache mächtig ist, da die originale Synchro trotzdem etwas besser passt, als die Übersetzung. Call of Duty: Modern Warfare eignet sich vor allem für Fans des ersten Teils, die wissen möchten, wie die Story rund um Soap, Price und co. sich weiterentwickelt. Gleichermaßen kommen Leute, die Filme wie Independence Day mögen, auf ihre Kosten, denn in Modern Warfare wird das komplette Feuerwerk an Patriotismus und der Frage “Was wäre wenn der Krieg nach Amerika kommt?” abgefeuert. Zudem dürfen auch Spieler, die Warhawk oder S.O.C.O.M. lieben zum neuen Call of Duty greifen, denn der Multiplayermodus ist wirklich Bombe. Wer Angst wegen der moralischen Bedenken auf Grund der Flughafenszene hat, darf diese bei Bedarf auch ausschalten, obwohl sie bereits in der deutschen Fassung entschärft wurde. Insgesamt sollte es sich lohnen, das Spiel unter dem Weihnachtsbaum zu finden, soweit man das von der USK empfohlene Mindestalter von 18 Jahren erreicht hat, denn auch Call of Duty: Modern Warfare 2 geizt nicht mit Blut und gehört nicht in die Hände von Jugendlichen. Für den Weihnachtsbaum eignet sich im Übringen besonders die Prestige Edition, in der nicht nur die Steelbook-Version des Spiels, sondern auch ein echtes und funktionstüchtiges Nachtsichtgerät samt Dekokopf schlummert!
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Oktober 28th, 2011 um 15:10
Hey, dein Artikel oben ist wirklich nett. Für gewöhnlich lese ich nicht bis zum Schluss, jedoch war das wirklich mal ein fesselnder Beitrag. Erfrischend! Bin jedoch nur durch Zufall über Yahoo auf deinen Blog aufmerksam geworden. Back to topic: gibt es hierzu in der Zwischenzeit ein Update? Habe auf deinem Blog gesucht, aber leider nichts gefunden. Danke im Voraus und weiter so!