PS3-Review: Borderlands | WOW meets Fallout 3
Borderlands aus dem Hause 2K ist momentan in aller Munde – kein Wunder denn dieses Spiel stellt zur Abwechselung mal eine noch nicht so oft verwendete Kombination von Spiele-Genres zusammen und versucht durch eine Mischung aus Rollenspiel und Shooter gepaart mit schickem CellShading-Look und Endzeitszenario, sowie eine gehörige Portion Witz und Ironie zu punkten. Zusammen mit dem äußerst Werbewirksamen Roboter CL4P-TP oder Claptrap und laut Werbetext 24 Bazillionen verschiedenen Waffen, hat Borderlands auch wirklich ein paar Argumente, die neugierig machen. Wer Spaß am kooperativen Spielen mit Freunden hat, wird sich dieses Spiel vermutlich schon zugelegt haben, alle anderen können in diesem Testbericht nachlesen, ob sich die Anschaffung von Borderlands lohnt oder ob es sich um ein weiteres gescheitertes Experiment handelt und man mit anderen Titeln besser bedient ist.
Nach dem Start des Spiels und der mittlerweile obligatorischen Installation auf der Festplatte der PS3, findet sich der Spieler im Hauptmenü des Spiels wieder. Nicht nur, dass man hier zum ersten Male mit der wirklich schicken CellShading-Grafik konfrontiert wird, nein, hier stellt man auch zum ersten Mal fest, wie sehr das Spiel eigentlich auf die Koop-Integration ausgelegt ist. Mehr als die Punkte Lokal und Online gibt es eigentlich nicht, denn der Story-Modus des Spiels kann komplett von vorne bis hinten mit bis zu drei anderen Spielern im Koop gespielt werden. Dazu aber später mehr. Neben dem Hauptmenü sieht man auch zum ersten Male eine der größten Schwächen des Spiels: die Texturen brauchen ein wenig, bis sie in hoher Auflösung in den Speicher des Grafikchips fließen. Allerdings lässt sich über dieses Manko auf Grund der Cell-Shading-Grafik hinwegsehen, die dem Effekt gut entgegenwirkt. Wartet man einen Augenblick, wird sieht man hinter dem Hauptmenü einen schlafenden Claptrap-Roboter. Dieser süße, gesprächige kleine Kerl, der Eigentlich CL4P-TP heißt, ist quasi das Maskottchen von Borderlands und begegnet dem Spieler an allen Ecken der Spielwelt. Zunächst gilt es allerdings das Spiel zu starten, bevor man von Claptrap in Borderlands begrüßt wird.
Charakterwahl für die Wüste
Nach dem Start der Kampagne sieht der Spieler erst einmal eine kleine Einleitung, die den Menschen vor dem Bildschirm abholen und in die Welt von Borderlands einführen soll. Bereits während der ersten 20 Sekunden des wirklich gut gemachten Filmchens wird dem Spieler unweigerlich klar, dass Borderlands sich selbst nicht ganz ernst nimmt und viele Klischees aus Film und anderen Computerspielen mit Füßen tritt. Man findet sich in einem Bus wieder, der den Spieler zu seinem ersten Einsatz fährt. Hier hat man die Möglichkeit seinen Charakter aus vier verschiedenen Typen auszusuchen. Jede der vier Klassen hat eine etwas andere Profession und bevorzugt andere Waffen beziehungsweise hat einen anderen Skilltree. Der Soldat ist der Allrounder der Truppe und versucht nach Möglichkeit mit einer Schrotflinte oder einem Automatikgewehr in den Kampf zu ziehen. Zudem kann der Soldat auf ein Sentry-Geschütz zurückgreifen, das automatisch alle Feinde in Sichtweite angreift und die Truppe beziehungsweise den Spieler mit Heil- und Versorgungszauber versorgt. Der Berserker ist quasi der Tank bei Borderlands und verlässt sich neben Nahkampfangriffen gerne auf explosive Waffen, wie Raketenwerfer. Der Jäger setzt hingegen auf Pistolen und Scharfschützengewehren und kann auf sein Haustier, den Bloodwing zählen, der auf Knopfdruck nicht nur Feinde angreift, sondern auch verschiedene Boni gibt, sofern man entsprechende Fähigkeitspunkte investiert. Die vierte und letzte Klasse ist die Sirene Lilith. Lilith setzt neben Waffen, die Elementarschaden verursachen auch auf Ihre übermenschlichen Fähigkeiten. Die Sirene hat die Spezialfähigkeit, ihren Körper aus der Phase zu bringen. Wechselt Lilith die Phase, wird sie unsichtbar für Feinde, verursacht Area of Effekt-Schaden und kann sich besonders schnell bewegen. Zudem können durch den Phasewalk weitere Boni erlangt werden, sofern der Spieler die entsprechenden Skills freischaltet.
Claptrap, Dein Freund und Helfer
Nach der Wahl der Klasse, wird der Spieler in einer kleinen menschenleeren Stadt abgesetzt und zudem von einer geheimnisvollen Frau kontaktiert, die dem Spieler erklärt, dass sie Hilfe benötigt, da in Borderlands nicht alles glatt läuft. Ohne zu viel von der Story zu verraten, kann man die Rolle dieser Erscheinung, die nur der Spieler wahrnehmen kann, nicht erklären – sie informiert den Spieler zunächst, dass die Ziele des Spielers und ihre sich decken und dass man auf den Roboter hören soll, der einen gleich begrüßt. Sogleich erscheint ein Claptrap, stellt sich dem Spieler vor und erklärt in den nächsten Minuten die Steuerung und die Anzeigen des Spiels. Anschließend beginnt er den Spieler in die Siedlung zu führen. Kurz darauf werden Claptrap und der Spieler angegriffen und man lernt die Grundlagen des Kampfes, die prinzipiell einem Ego-Shooter gleichen. Man kann aus der Hüfte schießen oder aber die Zielvorrichtung der Waffe verwenden. Entweder schaut man auf Knopfdruck über Kimme und Korn der Waffe oder aber durch ein Fernrohr, das möglicherweise auf der Waffe sitzt. Da die Werbung für das Spiel wirklich nicht untertreibt und es scheinbar unendlich viele Waffen im Spiel zu geben scheint, kann an dieser Stelle nicht auf alles eingegangen werden, aber die Grundzüge sind schnell erklärt. Es gibt verschiedene Waffenklassen von der Pistole oder dem Revolver über Maschinenpistolen und Sturmgewehre bis hin zu Raketenwerfer und Scharfschützengewehr ist alles dabei, was das Herz begehrt. Jede Waffe besitzt verschiedene Kampfdaten, die an Waffen aus einem Rollenspiel angelehnt sind. Der Schaden, den eine Waffe verursacht, setzt sich aus dem Schaden, den ein Projektil verursacht und je nach Waffengattung noch ein paar andere Faktoren zusammen. Bei normalen Projektilwaffen, wie der Pistole oder dem Sturmgewehr, kommt da noch die Geschwindigkeit hinzu, mit der die Projektile den Lauf verlassen. Läuft man lieber mit einer Schrotflinte herum, verlassen mehrere Projektile gleichzeitig den Lauf, daher kommt die Anzahl der gleichzeitig verschossenen Schrotkugeln noch oben drauf. Benutzt man hingegen eine Explosivwaffe, wie den Raketenwerfer, verursacht man AOE-Schaden, der zwar mehrere Gegner treffen kann, aber nur im Zentrum der Explosion den stärksten Schaden verursacht. Zudem kann eine Waffe auch noch verschiedenen Elementarschaden verursachen, der jeweils einen anderen Effekt haben kann. Feuer ist besonders effektiv gegen nackte Haus, während Blitzschaden effektiver gegen Schilde ist. Hat man den Schaden, den eine Waffe verursachen kann berechnet, kommt es auch noch darauf an, in welcher Zone man den Gegner trifft. Während ein Körpertreffer einfachen Schaden verursacht, verursacht ein Kopftreffer kritischen Schaden, der etwas höher ausfällt, als der normale Schaden. Diese Rollenspielelemente zusammen mit der Spielmechanik von Egoshootern machen Borderlands zu einem der interessantesten Spielen, die es im Moment auf dem Markt gibt.
WOW plus X
Natürlich ist das noch lange nicht alles, was Borderlands mit Rollenspielen, wie World of Warcraft gemeinsam hat. Nachdem man die ersten Gegner niedergestreckt hat und endlich zusammen mit CL4P-TP in der ersten Siedlung angekommen ist, wird die zweite Gemeinsamkeit präsentiert: Das Quest-System. Genau, wie bei dem Rollenspiel mit Suchtpotential, kann man sich bei Borderlands frei in der Welt bewegen und die Story wird durch verschiedene Aufgaben vorangetrieben, die der Spieler zu erfüllen hat. Zudem gibt es eine fülle an optionalen Quests, die der Spieler zwar nicht erfüllen muss, um zum Abspann zu gelangen, die aber Belohnungen versprechen, die dem Spieler ungemein bei diesem Ziel helfen werden. Bei den Quests findet man alles, was man von einschlägigen MMOGs her kennt: “Sammele X Gegenstände und bring sie zurück”, “Töte X Gegner des Typs Y” oder “Besuche die Räuberhöhle und töte Boss X”. Jede erfüllte Quest bringt Erfahrungpunkte und Geld, das man in bessere Ausrüstung und Munition oder Medipacks stecken kann. Manchmal bringen erfüllte Quests auch Belohnungen, wie einen besseren Schild oder eine neue Waffe, die im Übrigen analog zu WOW auch in verschiedene, farblich kodierte Häufigkeitskategorien eingeteilt werden. Eine graue Waffe findet man quasi an jeder Ecke, während man eine ultra seltene, orange Waffe nur ein bis zwei Mal im ganzen Spiel antrifft. Neben den Projektilwaffen kann der Spieler auch noch auf Granaten zurückgreifen, die jeweils über ein Granatenmod angepasst werden kann. Dieses Mod kommt ebenfalls in verschiedenen “Geschmacksrichtungen” daher und beeinflusst direkt das Verhalten der Granaten. Je nach Spielweise des Spielers, kann man die Granaten über diese anpassen; das Mod versieht die Granaten beispielsweise mit einem Aufschlag oder Annäherungszünder oder verwandelt die Granaten in Cluster- oder Stickybomben. Nachdem diese Mechaniken dem Spieler über die ersten Quests nahe gebracht worden sind, erfüllt man eine Quest, um die Fahrzeugstation in der Nähe der ersten Siedlung zu reaktivieren. Da die Spielwelt relativ groß ist, muss man auf ein schnelleres Fortbewegungsmittel, als die eigenen Füße setzen. Da ein Pferd komisch aussehen würde, kann man in der Welt von Borderlands auf einen Buggy, den man wahlweise mit einem Maschinengewehr oder einem Raketenwerfen ausrüsten kann, setzen. Sitzt man in einem Fahrzeug, kann man auch die dicksten Gegner einfach durch Überfahren oder mit der Bordwaffe ausschalten, allerdings bekommt man dann nur einen Bruchteil der Erfahrung, die man auf konventionellem Wege erhalten würde und der Lootdrop fällt auch erheblich kleiner aus, als sonst. Borderland ist abwechselungsreicher, als viele andere Spiele da draußen und jeden Punkt des Spiels zu erklären würde zu weit führen.
Kunstvolle Grenzländer
Auch wenn die Spielmechanik bereits einen unwiderlegbaren Kaufgrund für Borderlands darstellt, helfen Sound und Grafik beim Schnüren des beinahe perfekten Gesamtpakets. Der Cellshading-Look passt prima in die Optik des Spiels. Da das Setting insgesamt ziemlich abgefahren ist und das Spiel unheimlich viel Humor beweist, würde ein realistischer Grafikstil vermutlich befremdlich wirken. Auch wenn das Geschehen auf dem Bildschirm nicht ganz unblutig ist und das Spiel durchaus zurecht die USK-Freigabe “ab 18″ erhalten hat, versprüht das Spiel viel Charme und Humor. Die Musik des Spiels unterstützt dies durch stimmige Untermalung mit WildWest und 70er Jahre Gitarrenklängen, die auch aus einem Roadmovie stammen könnten. Zusammen mit den genialen Geräuschen und nahezu perfekten Synchronisation des Spiels, erreicht 2K eine Gesamtpräsentation, die nicht nur sehr schnell und atemberaubend, sondern beinahe schon ein eigener Kunststil ist. Hier stimmt einfach das Gesamtpaket.
Eigene Meinung:
Borderlands war wirklich eine Versuchung – die Erwartungen lagen hoch und ich bin nicht enttäuscht worden. Fallout 3 war nicht so mein Ding, da ich die Vorgänger sehr mochte und nicht das erhielt, was ich erwartet hatte. Bei Borderlands ist das schon etwas anderes. Hier traf 2K einen Nerv – Als ehemaliger World of Warcraft Spieler, kam ich sofort mit dem Quest und Lootsystem klar und da ich die Filme von Quentin Tarrentino und das Setting, sowie den Humor von Borderlands ebenfalls sehr schätze, war es bereits nach dem Intro um mich geschehen und ich war ein Borderlands-Fan. Die Tatsache, dass Freunde einfach in eine laufende Session einsteigen können machte das Spiel schließlich zu einem Pflichtkauf und der Rest ist eigentlich nur Beiwerk, obwohl es bei dem Soundtrack und der Grafik schwierig ist, nur von Beiwerk zu reden. Borderlands schafft es dennoch diese Punkte zur Nebensächlichkeit zu machen – Es macht eben einfach Spaß und man hört sich wieder sagen: “Nur noch die eine Quest und dann komme ich!” Borderlands ist bedenkenlos jedem ans Herz zu legen, der Rollenspiele wie World of Warcraft mag und gelegentlich auch mal zu einem Ego-Shooter greift. Mit dem Scharfschützengewehr ein paar Skags aus der Entfernung zu erledigen oder mit der Elektroschrotflinte ein Lagerhaus zu leeren macht einfach Laune. Die Questvielfalt und das unkomplizierte Spielgeschehen sorgen für jede Menge Kurzweil. Man kann vor Borderlands ohne Probleme ein paar Stunden verbringen oder aber auch für 15 Minuten “mal eben kurz” eintauchen. Ein dynamischer Schwierigkeitsgrad bei mehr Spielern und angepassten Gegnern beim zweiten Durchspielen sorgen auch nach den ersten 10 bis 15 Stunden Spielzeit für Wiederspielwert. Borderlands gehört in die Spielesammlung von Rollenspiel- und Shooterfans zu gleichen Teilen.
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März 9th, 2010 um 15:27
danke für deine kurze einleitung bin ebenfalls ein ehemaliger wow spieler und habe mir das spiel auf deine zusammenfassung sofort geholt
wollte eig nur danke sagen
da das spiel wirklich laune macht^^ mfg