PS3-Review: Colin McRae: Dirt 2 | Die Rally-Legende kehrt zurück
Mit den Wurzeln in der Playstation 1 Ära gehört die Rally-Spiel-Reihe Colin McRae zu den Urgesteinen des virtuellen Rallysports. Neben V-Rally und Virtua Rally gab es lange nichts, dass mit dieser Serie mithalten konnte. Nach etlichen Varianten, die es dem Spieler erlaubten, über die berühmten Rallystrecken der Welt zu rasen, brachte Codemasters mit Colin McRae: Dirt eine Wendung in die Serie. Die Spieler waren nicht mehr länger nur an die klassischen Rally-Karossen gefesselt, sonder konnten auch Platz an Bord eines Raid- , eines Trophy-Trucks oder gar eines Buggys nehmen und über die unendlichen Weiten der Baja-Wüste in Kalifornien preschen. Während der erste Teil die Fans spaltete, versprach Codemasters mit dem zweiten Teil der Serie zu den Wurzeln zurückzukehren. Lange Zeit mussten Fans der Colin McRae Reihe um die beliebte Rally-Serie nach dem Tot des Namensgebers bangen, doch wurde die Geduld nicht enttäuscht. Trotz des verstorbenen Titelhelden kündigte Codemasters an, dass die Serie weiter produziert werden wird. Durch diese Ankündigung erleichtert, fieberte ein jeder auf den Tag des Releases von Colin McRae: Dirt 2 hin. Ob Colin McRae: Dirt 2 das hält, was es verspricht, könnt Ihr wie immer in unserem Testbericht nachlesen.
Back to the Roots plus viel Neues
Bereits beim Start wird schnell klar, dass Colin McRae: Dirt 2 viele Neuerungen bieten wird. Dennoch kann man sagen, dass am Grundkonzept, das Codemasters mit dem ersten Teil der Dirt-Reihe aufgebaut hat, nicht großartig verändert, sondern vielmehr weiter verfeinert worden ist. In Dirt 2 geht es immer noch um sämtliche Motorsport-Events, die mit Vier Rädern, einem Dach über dem Kopf und Dreck zu tun haben. Vom Buggy, Stock-Baja, über Raid- und Trophy-Trucks bis hin zu klassischen Rally-, Rally-Cross- und Trailblazer-Fahrzeugen, ist wieder alles mit von der Partie, was im Rally-Geschäft Rang und Namen hat. Die 100 Events des Karrieremodus finden auf den 41 verschiedenen Strecken des Spiels statt. Die Events sind auf der Erde in acht Gebiete verteilt, die verschiedene Länder und deren passende Rennen repräsentieren.
Nach dem Start von Dirt 2 und einer Begrüßung durch Ken Block, findet man die Möglichkeit, ein Alter-Ego anzulegen. Wer hier auf Fantasienamen verzichtet, kann hinterher aus einer Liste von Männer- und Frauennamen den Eigenen aussuchen und wird künftig vom Spiel mit diesem angeredet. Wer seinen Namen nicht findet, kann aus einer Liste von Spitznamen eine Anrede aussuchen, mit der man sich anfreunden kann. Nach dieser Prozedur wird man in das Hauptmenü geschmissen, das serientypisch in 3D gehalten wurde. Neu ist dieses mal, dass man sich virtuell durch das Fahrerlager bewegt. Man kann sich mit dem rechten Stick umschauen und sobald ein Menüpunkt auftaucht, vorausgesetzt man hat den richtigen Bereich der Szenerie angeschaut, gelangt man per Druck auf die X-Taste weiter. Das Menü ist in zwei Teile geteilt – Innen und Außen. Der Bereich innerhalb des Protagonisten-Wohnwagens stellt quasi das zu Hause des Rennfahrers dar. Hier kann man sich die Filme des Spiels noch einmal in Ruhe anschauen, an einer Multiplayerpartie teilnehmen oder mit der Karriere fortfahren. Im Außenbereich kann man Fahrzeuge kaufen, sich das ESPN-Magazin anschauen, das den Spieler immer über die Erfolge der eigenen Freunde oder allgemeine Statistiken aus der ganzen Welt auf dem Laufenden hält und zu guter Letzt man kann hier noch an einem Turnier teilnehmen.
Abwechselung pur
Colin McRae: Dirt 2 bietet wirklich für jeden Spielertypen etwas – dabei ist es egal, ob man lieber online spielt oder sich offline durch die Karriere kämpfen will. Wichtig ist nur, dass man gerne Abseits der Straße über lockeren Untergrund rutschen mag. Die Karriere ist relativ lang und bietet dem Spieler viel Spiel für’s Geld. Zunächst startet man in der Rookie-Liga und verfügt über je ein Auto in jeder Klasse, die man von einem der mitfahrenden Profis geschenkt bekommt. Die Rookie-Liga zeichnet sich dadurch aus, dass die Fahrzeuge sich noch nicht ganz so schnell und giftig verhalten, wie sie es in den höheren Ligen zwangsläufig machen werden. Hier kann man also ganz entspannt an das Spiel herangehen. Zunächst sind nur wenige von den acht Gebieten und innerhalb der Gebiete noch nicht alle Events verfügbar. Diese werden nach und nach durch das Hochlevelen des Fahrers freigeschaltet. Dies erreicht man auf zwei verschiedene Arten. Zum einen kann man einfach die Rennen gewinnen und so die meisten Erfahrungspunkte einheimsen oder man erfüllt verschiedene Aufträge, wie beispielsweise eine bestimmte Zeit auf zwei Rädern fahren oder eine bestimmte Strecke driften. Die Erfüllung dieser Aufträge gibt dann zusätzliche Erfahrungspunkte, die dem Spieler beim Erreichen der nächsten Stufe unterstützen. Bis zur 30. Stufe belohnt das Spiel den Spieler regelmäßig mit neuen Lackierungen und Accessoires, mit denen man die verschiedenen Fahrzeuge verschönern kann und schaltet weitere Gebiete und Events auf der Karte frei.
In Dirt 2 kann man an verschiedensten Events teilnehmen. Neben den klassischen Raid, Landrush, Rally, RallyCross und Trailblazer-Events, kann man seit dem aktuellen Titel auch an Gatecrasher, Domination und LastManStanding-Events teilnehmen. Bei Gatecrasher geht es darum, eine Rallystrecke möglichst schnell abzuspulen und dabei kleine Schaumstoffaufsteller zu treffen, die daraufhin effektvoll zerplatzen. Der Clou dabei ist, dass man anfangs nur etwa 20 Sekunden Zeit hat, die Strecke zu meistern. Jedes getroffene Gate bringt zwei weitere Sekunden Zeit das Ziel zu erreichen. Gewonnen hat derjenige, der am Ende die meiste Zeit auf der Uhr übrig hat. Domination hingegen findet auf den Rundkursen des Spiels statt. Diese sind in vier Sektoren unterteilt, in denen es gilt die schnellste Zeit zu fahren, um die meisten Punkte einzuheimsen. Der Führende eines Sektors erhält dafür zehn Punkte, der Zweite acht Punkte, und so weiter. Nachdem die Runden komplett gefahren worden sind, werden die Punktwertungen der Sektoren addiert und der Gesamtgewinner gekürt. Last Man Standing hingegen, geht in eine andere Richtung und findet auf den RallyCross-Strecken statt. Hier wird nach einer Einführungsrunde der jeweils Letztplatzierte aus dem Spiel geschmissen. Dies wird durch einen 20 Sekunden-Countdown angekündigt, in dem der Letzte verzweifelt versucht, den Vordermann zu überholen. Sind alle Fahrzeuge aus dem Rennen ausgeschieden, endet das Event.
Schwierigkeitswahl und deren Auswirkungen auf die Umwelt
Nach der Wahl des Events wird dieses kurz in einem Video-Tutorium vorgestellt, sofern man es zum ersten Mal bestreitet. Anschließend hat man die Möglichkeit, vor dem Start verschiedene Einstellungen zu machen, um das Event in Punkto Schwierigkeit und Setupvielfalt anzupassen. Die fünf verschiedenen Schwierigkeitsstufen von Kasual über Seriös bis hin zu Vollprofi passen dabei nicht nur das Können der KI an das Eigene an, sondern verringert auch die Anzahl der verfügbaren Replayrückblenden, die eine weitere Neuerung der Serie darstellen. Während des Spiels ist es durch einen Druck auf Select möglich die letzten 15 Sekunden des Spiels zurückzuspulen und an einer beliebigen Stelle neu zu starten. Auf diese Art kann man kleine Fehler, die eine Drehung oder einen Totalschaden verursacht haben, einfach auszugleichen. Je nach vorher eingestelltem Schwierigkeitsgrad kann man diese Funktion ein bis fünf Mal pro Rennen einsetzen. Zudem kann man noch wählen, ob man das Wagensetup selber bestimmen möchte oder das lieber der Automatik überlassen möchte.
Nach dem Start fällt dem Spieler zunächst die unglaubliche Grafik ins Auge, mit der Colin McRae: Dirt 2 präsentiert wird. Im Vorfeld gab es einen Trailer, der Szenen des Spiels mit echten Aufnahmen von Rally-Events mixte und es war wirklich anstrengend die Aufnahmen aus dem Spiel und die Realaufnahmen auseinander zu halten. Genau das wird dem ambitionierten Spieler nach dem Start eines Rennens geboten und man braucht erst einmal ein wenig, bis man sich wieder gefasst hat. Zur phänomenalen Grafik des Spiels gesellt sich nach den ersten paar Kurven, meist eher unfreiwillig, dann noch die erstaunliche Physik und das wirklich detaillierte Schadensmodell hinzu. Besonders in den Zeitlupenaufnahmen erkennt man die Genauigkeit, mit der beide versteckt unter der Haube des Spiels werkeln. Jedes Fahrmanöver wird vom Fahrzeug mit physikalisch korrektem Verhalten quittiert und sobald man gegen eine Felswand knallt, verformt sich die Karosse wunderschön und wirklich passend zum Aufprall. Natürlich hat auch das Schadensmodell seine Grenzen. Zwar quetscht und biegt sich die Karosse herrlich unter der Belastung, dennoch nur bis zu einem gewissen Punkt. Die Integrität der Fahrgastzelle wird nicht beeinträchtigt und die Reifen bleiben trotz angezeigtem Schaden immer am Fahrzeug. Ein kleiner Wermutstropfen, der aber von platzenden Scheiben, abreißenden Stoßstangen und fehlenden Türen mehr als wieder wett gemacht wird.
Online macht es noch mehr Spaß
Viele der spielbaren Events scheinen im Einzelspielermodus wenig Sinn, aber dennoch viel Spaß, zu machen. Das ändert sich komplett, sobald man im Inneren des Wohnwagens den Multiplayermodus betritt. Hier kann man die Erfahrungsstufen noch einmal von vorne hoch steigen. Genauso wie im Einzelspielermodus, verdient man im Multiplayer durch gewonnene Events und erfüllte Aufträge Erfahrungspunkte und durchwandert verschiedene Stufen, die allerdings keine Auswirkungen auf das Spiel selbst haben. Die Stufen dienen einzig der Anzeige, wie viele Online-Rennen der Spieler schon gefahren ist und haben außer dem Freischalten von Trophies keinen weiteren Einfluss auf das Spiel selbst. Sämtliche Events und Klassen des Karriere-Modus können auch im Multiplayermodus gefahren werden. Dieser ist in zwei verschiedene Teile unterteilt. Im Pro-Modus spielt man solo oder im Team mit anderen Spielern um Ranglistenpunkte, während man in Jam-Session einfach auf’s Gradewohl losfahren kann, ohne um die eigene Platzierung in der Weltrangliste bangen zu müssen. Erfreulicherweise hat Codemasters hier sogar eine “Fairness-Anzeige” eingebaut, die in den Farben rot, gelb und grün vor den Spielernamen prangt. Rote Spieler rammen sich mit aller Gewallt den Weg frei, während grüne Spieler Kollisionen mit anderen eher aus dem Weg gehen. Auf diese Art kann man die Mitspieler relativ schnell und einfach einschätzen und braucht sich nicht über deren Verhalten zu wundern.
Beim Mehrspielermodus hört die Onlineintegration aber noch lange nicht auf. So ist es zum Beispiel auch möglich, für jeden Spieler und jede Strecke von Dirt 2 die Bestzeit als sogenannten Geist herunter zu laden und mit diesem ähnlich, wie man das von Mario Kart Spielen kennt zu fahren. Dies ist natürlich mit Freunden besonders lustig, kann aber auch mit der Top 10 der Weltrangliste viel Spaß machen. Hat man von den Rennen gegen Geister genug, kann man sich auch noch verschiedenen Turnieren widmen, die Codemasters in 4-Tages-Etappen startet. Hier geht es darum, innerhalb der Frist ein vorgegebenes Ziel zu erreichen. Dieses kann von einer guten Zeit auf einer bestimmten Strecke bis hin zu den meisten Überschlägen oder Totalschäden, so ziemlich jeder Aspekt des Spiels sein. Nach Ablauf der vorgegebenen Zeit, werden die Teilnehmer des Turniers, je nach Platzierung, mit Multiplayer-Erfahrungspunkten belohnt.
Eigene Meinung:
Es ist wieder da – das Colin-Feeling, das ich beim Spielen des ersten Teils auf der Playstation hatte. Viele kleine Aspekte des Spiels besinnen sich wirklich auf die Wurzeln der Serie zurück. So konnte ich endlich die Beifahrer-Ansagen zurück auf die technischen Ansagen umstellen und mich in einem kurzen Retromoment bei “Drei Links – macht zu – 80 – 90er Rechts” baden. Herrlich! Was mir persönlich noch fehlte, ist das Reparieren des Fahrzeugs zwischen den Etappen, aber sonst hat Codemasters mit Dirt 2 mir eine unglaubliche Freude gemacht und das von mir am intensivsten gespielte Spiel der letzten Zeit kredenzt. Besonders die Momente, in denen Colin McRae mit einem Renn-Event und mit einem Film geehrt wurden haben mich bewegt. Empfehlen kann man dieses Spiel wirklich jedem, der Lust zu einer ordentlichen Runde Rallyfeeling hat, geniale Grafik und Physik schätzt und auf den einen oder anderen Realismusaspekt verzichten kann. Codemasters hat hier wirklich alles richtig gemacht, auch wenn sich viele Spieler über den Online-Modus aufregen, aber diese Problemchen sind vermutlich mit dem nächsten Patch bereits behoben. Allein für den Karriere-Modus mit der Schwierigkeitswahl von Casual bis extrem Fordernd und der Möglichkeit das Spiel jederzeit zurückzuspulen, um kleine Fehler zu korrigieren ist richtig motivierend. Meine Empfehung: KAUFEN!
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Dezember 27th, 2009 um 18:34
sehr gute grafik.
Januar 31st, 2010 um 06:08
Wirklich ein Hammer Game welches mir schonseit Monaten die Zeit vertreibt.
Die Grafik ist auch wirklich der absolute Hammer, spiele die PC-Version
auf höchster Einstellung.
Hab meinen 1e. Karriere Turnus auf “Seriös” gespielt und versuche mich jetzt im 2e Durchgang auf “Wild” wobei ich auch schonmal auf “Extreme” checke wie das ist.
Der “HardCore”-Modus ist kaum zu schaffen m.M nach.
Ich kann jedem (der auf Rennspiele steht) dieses Game wirklich nur ans Herz legen.