Review: Little Big Planet

Mit dem Einkauf von Little Big Planet könnte Sony ein weiterer Geniestreich gelungen sein. Das Spiel verspricht alles, was ein gutes Spiel haben sollte – Eine interessante Spielmechanik, den Knuddelfaktor und viel Spaß. Ob sich die Anschaffung loht und was LBP sonst noch zu bieten hat, erfahrt Ihr in unserem Test.
Little Big Planet ist eines dieser Phänomene, die irgendwann einfach auftauchen und dann von Beginn an einen riesigen Hype versprühen. So geschehen Mitte 2007, als vom relativ unbekannten Entwickler Media Molecule auf der Games Developer Convention ein Titel namens The Next Big Thing vorgestellt wurde und schlagartig zum Gesprächsthema Nummer eins wurde. Eigentlich handelt es sich nur um ein physiklastiges Jump-And-Run Spiel, das durch seine knuddeligen teddybärartigen Figuren namens Sackboy beziehungsweise Sackgirl auffällt. Was tatsächlich für Aufruhr gesorgt hatte, war die Tatsache, dass die Entwicklungstools des Spiels direkt mitgeliefert wurden. Diese wurden derart vereinfacht, dass es praktisch jedem möglich geworden ist, das Joypad in die Hand zu nehmen und einfach selber ein Level zu basteln. Durch den Hype angestachelt, ließ sich Media Molecule Zeit, das Spiel fertig zustellen und bastelte Features mit hinzu, die das Spiel für sich genommen nicht viel aufwerten, sondern eher abrunden. Als Little Big Planet in die Betaphase überging wurden vom Entwickler den verschiedenen Internet-Spieleportalen die Möglichkeit gegeben Aktivierungs-Keys dazu zu verlosen. Kaum Angekündigt, waren Sie in der Regel gleich weg. Eine große Plattform brach unter der Besucher-Last zusammen, als sie 8000 Keys verschenkten. Nun, beinahe zwei Jahre später, kommt Little Big Planet endlich auf den Markt und schlägt ein, wie eine Bombe.
Jump-And-Run mit Knuddelfaktor
An sich ist Little Big Planet ein klassisches Jump-And-Run, das mit viel Liebe zum Detail designt wurde. Die Geschichte ist relativ simpel, passt aber zur zuckersüßen Präsentation – Schaut man sich die Erde mit den Menschen mit etwas Abstand an, fällt auf, dass wir viel Zeit mit Schlafen und Träumen verbringen. Doch wo geht die kreative Energie der Träume hin, wenn wir diese geträumt haben? Diese Energie formt eine fantastische, leicht surreale Welt, namens Little Big Planet, in der sämtliche Träume aufbewahrt werden. So oder ähnlich versucht das Intro die Geschichte zu erklären. Bereits nach dem Intro verfällt man völlig dem Scharm der wirklich extremst gelungenen Lokalisation des Spiels. Der Sprecher, der unseren Sackboy und unsere Bemühungen den Little Big Planet zu bereichern, begleitet, hat eine butterweiche Stimme und schafft es tatsächlich auch englischen Wortwitz, der eigentlich nicht übersetzbar ist, so rüber zu bringen, dass man dennoch schmunzeln muss. Nach dem spielbaren Intro, in dem man an den Portraits sämtlicher Entwickler vorbeiläuft, gelangt man in die Zentrale, von wo aus man Zugriff auf die verschiedenen Funktionen des Spiels hat. Da man die zum Levelbau benötigten Materialien erst einmal in den Level der Geschichte finden muss, bevor man mit dem Bau loslegen kann, stürzt man sich in die Story des Spiels.
Alle fünf bis sechs Level wechselt das Thema. So beginnt man im Königreich, wo König und Königin dem Spieler sachte die verschiedenen Mechaniken des Spiels erklären. Später wechselt man zur Savanne, wo man einem Affen hilft, herauszufinden, warum die Büffel so aufgeregt sind. Nach der Savanne geht es nach Mexico, wo man viel mit Sprengstoffen zu tun bekommt und so weiter. Jedes Thema hat eine kleine Story, die sich durch die drei Storylevel des Themas zieht. Alle Level sind mit Preisblasen, die zum Thema passende Materialien und Dekorationen enthalten, überseht und der menschliche Sammeltrieb sorgt dafür, dass man möglichst alle findet, so dass man diese Level teilweise auch mehrfach spielen muss, weil man wiedermal eine übersehen hat. Stellenweise ist es sogar nötig, dass man mit zwei, drei oder gar vier Spielern zusammenarbeiten muss, um an die Preisblasen zu gelangen. Hier hilft meist nur der Griff zum Onlinemodus, aber es gibt ja auch genug hilfsbereite Sackpeople da draußen. Gelangt man in die letzte Welt, erkennt man nach und nach, dass es auch eine Geschichte gibt, die sich vom ersten bis zum letzten Level hindurch zieht, aber die soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Little Big Planet sorgt eben immer wieder für eine Überraschung.
Create – der Konstruktionsmodus
Der Konstruktionsmodus ist eine Geschichte für sich. Wer sich durch die 50 Level der Story gespielt hat und endlich selber ein paar Versuche starten will, kann von der Zentrale aus “Mein Mond” betreten. Auf diesem Planeten werden alle Level, die der Spieler erstellt hat, abgespeichert, bis sie von ihm veröffentlicht werden. Zunächst ist er allerdings gänzlich leer. Um ihn mit Leben zu füllen, wählt man einfach einen leeren Platz aus und beginnt mit dem Bauen. Nachdem man einen leeren Platz erwählt hat, wird man aufgefordert, ein Template zu wählen. Hat man die Story noch nicht weiter gespielt, kann man hier nur auf ein leeres Level zurückgreifen, denn die Templates werden erst nach Abschluss einer Geschichte freigeschaltet.
Gleiches gilt eigentlich für alles, was man zum erstellen eines eigenen Levels benötigt. Die benötigten Materialien, Sticker, Geräusche und so weiter, muss man in den von den Entwicklern beigefügten Storylevels als Preisblasen finden und einsammeln, bevor man auf diese im Kreativmodus zurückgreifen kann. Für die benötigten Werkzeuge zur Erstellung eines Levels gilt Ähnliches, denn zunächst verfügt man nur über den Popit-Cursor, mit dem man in der Welt vorhandene Gegenstände manipulieren kann. Wählt man diesen zum ersten Mal aus, wird ein Tutorial angeboten, das man auch einmal durchspielen sollte. In diesem Tutorial wechselt Sackboy in ein eigens dafür geschaffenes Tutorial-Level und landet vor einem riesigen Fernseher aus Pappe. Springt man nun auf den Schalter am Boden, spielt dieser ein Video, das den Gegenstand und dessen Funktion erklärt. Nun erhält man die Aufgabe, das Gelernte an einem Beispiel nachzumachen und bekommt zur Belohnung ein paar Materialien, neue Formen und das nächste Werkzeug. Wählt man nun dieses aus, wird einem das nächste Tutorial angeboten und so weiter und so fort. Hat man erst einmal die über 30 Tutorials durchgeackert, verfügt man auf diese Art über die Werkzeuge und das Wissen, eigene Levels mit allerlei Gefahren, eigenen Monstern und Apparaturen zu versehen, um dies anschließend zu veröffentlichen, damit andere Spieler überall auf der Welt Spaß an den eigenen Kreationen haben können.
Damit das Level aber ein durchschlagender Erfolg im Netz wird, muss man wirklich gute und einmalige Ideen haben. Die vorhandenen Werkzeuge helfen einem sehr dabei, die eigenen Ideen umzusetzen und sind dabei äußerst einfach zu bedienen. Will man beispielsweise einen Fahrstuhl bauen, der den Spieler auf eine höhere Position bringt, erstellt man zunächst die Plattform und versieht diese mit einem Kolben, der diesen nach oben befördern soll. Den Kolben kann man mit dem Popit-Cursor dann auf die gewünschte Geschwindigkeit und andere Parameter anpassen und fertig. Bereits nach einem Druck auf die x-Taste, setzt sich der Fahrstuhl in Bewegung. Wer diesen nun noch mit einem Schalter versehen möchte, hat die Wahl zwischen verschiedenen Schaltertypen. So könnte man einen Näherungsschalter verwenden und diesen so anpassen, dass er den Fahrstuhl in Betrieb setzt, sobald ein Spieler die Plattform betritt und bei Verlassen den Fahrstuhl in die Ursprungsposition zurück fährt. Wer lieber einen Taster auf dem Fahrstuhl anbringt, sorgt so bei Betreten des Tasters für die Aufwärtsfahrt und denkbar wäre es auch, den Fahrstuhl aus greifbarem Material herzustellen, dann mit einem Griffschalter zu versehen, der den Fahrstuhl in Bewegung setzt, sobald der Spieler sich an die Plattform hängt.
Nachdem man dann ein Hindernisse und Gegner in das Level gesteckt hat, setzt man noch den Startpunkt und den Endpunkt der Eigenkreation und kann anschließend auf “Veröffentlichen” klicken. Bereits nach ein paar Sekunden kann das Level dann von anderen Spielern überall auf der Welt gespielt werden. Wer seinen Level noch verändern möchte, kann dies auf seinem Mond auch anschließend noch machen. Besonders schön ist die Möglichkeit durch einfaches Setzen eines Start und eines Zielgatters, ein Wettrennen gegen die Zeit zu erstellen. Natürlich kann man auch Punkteblasen im eigenen Level zu verteilen, denn auch jedes von Benutzern erstellte Level wird mit einer Online-Highscoreliste versehen, so dass man sich anschließend mit anderen Spielern im Internet messen kann. Wer sich mit den eigenen Kreationen besonders viel Mühe gegeben hat, hat die Möglichkeit Teile des Levels, eigene Sticker oder Monster zu “fotografieren” und diese in Preisblasen zu stecken, um sie auf diese Art an die Spieler weiterzugeben. Gewonnene Preise lassen sich dann in der Regel auch in eigenen Levels weiterverwenden und wieder veröffentlichen, es sei denn der Ersteller hat die Gegenstände mit seinem Copyright versehen. Die Entwickler haben sich wirklich Mühe gegeben, dem Spieler möglichst viel für sein Geld zu bieten. Wen wundert es bei all den Features, das es sogar möglich ist, eigene Levels mit bis zu vier Leuten wahlweise an einer Playstation oder über das Internet zu erstellen und zu veröffentlichen.
Share – Teilen und Erleben
Hat man alle Level der Geschichte bereits durchgespielt und noch keine so rechte Lust, sich auf den Konstruktionsmodus zu stürzen, kann man sich erst einmal sehr lange damit beschäftigen, die Kreationen von anderen Spielern zu spielen. Auch hier hat man die Wahl, ob man dies lieber alleine oder Online mit anderen Spielern überall auf der Welt erleben möchte. Zunächst sieht man die beliebtesten Level auf der Weltkugel, kann aber auch nach anderen Kategorien suchen, denn jeder Spieler hat nach Beendigung eines Levels die Möglichkeit, dieses mit Sternen und Tag zu bewerten und eventuell noch einen Kommentar zu hinterlassen. So kann man sich natürlich auch neben den beliebtesten Kreationen, die am Besten bewerteten oder die Neusten anzeigen lassen oder einfach nach einem Tag suchen, das gefällt. Auf diese Art kann man relativ schnell die “Ich probier mal eben schnell-Level” von den richtig guten trennen oder nur solche Spielen, die den eigenen Vorlieben am ehesten gleichen, seien das Level mit Fahrzeugen, vielen Monstern, großen Maschinen oder vielen Physikspielereien; für jedes Level gibt es einen passenden Tag, nach dem gefiltert werden kann. Das Teilen der Eigenkreationen mit anderen Spielern überall auf der Welt und die Tatsache, dass es quasi wöchentliche Updates gibt, wird unter Anderem dafür sorgen, dass Little Big Planet sehr lange Leben wird.
Sackpeople sind einfach knuffig
Die Grafik von Little Big Planet ist einfach klasse. Neben der Tatsache, dass das Spiel 1080p unterstützt, sind die Texturen äußert vielfältig und klasse gemacht. Am liebsten möchte man den kleinen Sackboy den ganzen Tag knuddeln. Die Gesamtanzahl der Polygone ist natürlich für jedes Level beschränkt, allerdings ist es auch äußerst schwierig, die Framerate durch viele Objekte auf dem Bildschirm zum Einbrechen zu bringen. In den Geschichtslevels liegt diese immer im Bereich um die 60 Frames pro Sekunde. Die Engine des Spiels ist einfach klasse. Der Sound des Spiels kommt nicht nur in unkomprimiertem 7.1 Surround aus den Boxen, wie man das von der PS3 gewohnt ist, sondern geht einem auch so schnell nicht wieder aus dem Kopf. Die Entwickler haben Ohrwurmlieder ausgesucht, die es in sich haben und das Spiel zudem noch perfekt untermalen. Wer LBP etwas länger spielt, wird sich irgendwann beim “Step on my Patch”-Singen in der Öffentlichkeit oder unter der Dusche erwischen. Ähnliches gilt auch für die Lokalisierung. Der deutsche Sprecher steht dem englischen in nichts nach. Mit seiner beruhigenden, tiefen Stimme schafft er es nicht nur, eine klasse Atmosphäre aufzubauen, sondern es gelingt ihm erstaunlicherweise auch deutschsprachige Spieler mit Wortwitzen zum schmunzeln zu bringen, die man eigentlich gar nicht übersetzen kann. Media Molecule ist hier wirklich ein echter Treffer gelungen.
Eigene Meinung
Little Big Planet erstaunt mich jedes Mal erneut. Es ist einfach faszinierend, was die Spieler mit diesem Werkzeug erschaffen. Sei es ein Mirror’s Edge-Level oder eine komplette Kopie des ersten Gradius-Levels, in dem man wirklich mit dem Raumschiff durch die Gegend fliegt. Sogar Tetris und Mario sind vertreten. Ganz zu schweigen von den vielen 100 Level, die einfach nur Spaß machen. Mit dem Sammelfaktor des Spiels, den angekündigten Erweiterungen und den Kostümen, die jede Woche im PSN erscheinen, dürfte LBP sehr lange Zeit überleben und auch entsprechend von den Fans unterstützt werden. Wen wundert es da, dass LBP bereits die Grenze von eine Millionen verkauften Exemplaren überschritten hat und damit quasi in den ersten Wochen den Platinum-Status erreicht hat. Ich für meinen Teil werde LBP noch eine lange Zeit Spielen und meinen Donkey Kong-Level verfeinern und die noch vorhandenen Bugs ausmerzen. Little Big Planet kann ich zum ersten Mal bedenkenlos jedem empfehlen, außer man hat eine tiefsitzende Abneigung gegen Jump-And-Runs. Einfach gelungen und ich freue mich auf noch mehr Content, besonders auf die Möglichkeit eigene Texturen in das Spiel zu integrieren und zu verwenden. LBP ist einfach klasse.
Little Big Planet ist erhältlich als Standalone-Version und als Bundle mit der 80GB/Dualshock3-Version der Playstation3:
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